Sonntag, 28. Februar 2010

12. bis 14. Drehtag


Einige ruhigere Tage in Charly's Ferienwohnung, während draußen der Föhnsturm tobt. Bisweilen das Säntismassiv als herrlichen Hintergrund. Mal Weihnachten feiern, dann wieder den vor Wochen gebauten Iglu doch noch beim letzten guten Wetterstrahl mitnehmen... Das ganze Winterprogramm ist gefragt.

Am Wochenende dann b-Unit Shots auf dem Säntis. Wir haben den einzigen guten Tag erwischt mit herrlicher Fernsicht. Das Toggenburg mal von oben zeigen, während unten im Tal die Fetzen fliegen, das war unsere Absicht.
Und morgen geht es in die vierte Drehwoche ins Innenleben des Hotel Friedegg - quasi ins nachgebauten Innere.

Dienstag, 23. Februar 2010

11. Drehtag – Toggenburg im Regen – wir in „good mood“

So langsam eingespielt ist unser Team. Nach den beiden Großkampftagen waren heute alle sichtlich zufrieden mit den etwas kleineren Nummern. Dass uns zwischendurch der Regenradar verrückt gemacht hat – davon liessen wir uns nicht die gute Laune nehmen. Nur für'n Restschnee und unsere Anschlüsse wird's eher kritisch.

10. Drehtag: Großaufgebot


Der Vorplatz Friedegg wird zum Schauplatz großer Gefechte: Erst kommen Lieferanten, dann Charly, dann die Hamburger Mischpoke. Ein logistisches Großaufgebot vor der Kamera. Nachmittags darüber hinaus die Wildhauser Feuerwehr, Rauchexperten, Zaungäste und ein flüchtender Bräutigam. Schön eigentlich, wie sich alles um die sprach- und fassungslose Braut herumgruppiert.


Abends dann die Schnapsklappe Produktion. Und schlagartig wird aus einer hochprofessionellen Crew ein Haufen Kinder, die sich – wie die jungen Skischüler – über den Snowly freuen. Das Wetter erschreckend mild diese Woche. Der Schnee schmilzt uns weg...

9. Drehtag - Hochzeitswetter

Die Lukaskapelle lag im herrlichen Winterlicht heute. Über Nacht war etwas Schnee gefallen. Tagsüber aber recht warm. Kurzum: ideal für unseren Hochzeitsdreh. Dazu war unter anderem eine Feuerwehrmusik zusammengestellt worden, um vor der Säntiskettenkulisse den Hochzeitsmarsch zu blasen.

Ein richtiger Pfarrer (mein Vater) sollte trauen... Noch ein bisschen Schnee auf die Strasse. In meiner Ungeduld wollte ich selbst mit handanlegen. Das kommt raus, wenn ein übereifriger

Regisseur überall mittun will.

Ansonsten gibt es keine Klage: ein riesiger Aufwand für ein paar wenige Filmsekunden. Aber so was macht ja auch richtig Spaß. Und um ein paar Witze zu platzieren, bietet sich auch immer wieder Gelegenheit. Mein Lieblingsjoke: während des ganzen Filmes hat Wigwam-Toni die Suly angeflirtet, bis hin zu einem dreisten Griff auf ihr Knie beim Einzug des Brautpaares. Empört nimmt Suly dann seine Hand weg. Als es aber mit dem Ja-Wort zur Sache geht, greift Suly wie in Trance nach Tonis Knie...


Samstag, 20. Februar 2010

8. Drehtag – endlich drinnen! Und volle Konzentration.


Ein letzter Tag in einer kurzen Drehwoche – dafür wird die kommende so richtig happig. Wir sind in der Ferienwohnung Charly. Man kann sich im Innenraum einfach schon besser konzentrieren, das ist ein Fakt. Als Authentizitätsfreund hat man ja immer gedacht: möglichst überall nah am Realen dran sein... Diese Einstellung verändert sich unwillkürlich! Oft denkt man: wie schön wäre jetzt Studio! Wo alles so herrlich zu kontrollieren ist.

Hier die Aussicht von meinem Arbeitsplatz aus: Blick in die Röhre! Allerdings muss ich mich immer wieder auch lösen vom rauschigen Ausspiegelungsbild und auf die realen Schauspieler kucken. Haneke hat mal erzählt, dass er nie richtig hinsieht (bzw. hinsehen kann), sondern vor allem nur hört. Und er weiß bei dem, was er hört: ob die Szene stimmig war oder nicht. Dem würde ich mich eigentlich anschließen. Obwohl Bilder ja immer so verführerisch sind....

Nach unserem Wochenende gibt es eine Hochzeit im Bergkirchlein (morgen Sonntag) und danach Feuerwehreinsatz vor dem Hotel Friedegg. Und noch vieles mehr!

7. Drehtag – einige schöne, ruhige Bilder machen und auch ein bisschen ausruhen



So sollte es eigentlich sein, das Wetter! Was im übrigen „voll krass“ ist, sind diese Umschwünge: heute gabs massiven Föhneinbruch. Der Schnee schmolz dahin wie nix. Die Köpfe brummten. Und dass das Wetter genau zum Drehtag passt, muss man als Wunder begreifen.
Ein Ausruhtag – mit Snowly auf der Piste. Dann ein paar Gänge und zuletzt eine schöne nächtliche Szene. Das war auch bitter nötig. Nach dem eisigkalten Nachtdreh, wo man sich erst mal eine Viertelstunde unter die heiße Dusche stellen musste. Aufsehen erregte übrigens ein vergessenes Requisit: ein Verkaufsinserat des Hotel Friedegg hing noch zwei weitere Tage im Schaukasten am Immobilienkiosk. Das machte im Dorf in Windeseile die Runde; und sogleich kamen verängstigte oder auch interessierte Stammgäste zum Wirteehepaar und wollten wissen, was denn hier los sei. Eine 88jährige trat bei derselben Gelegenheit aus dem Friedegg, sah Christian Kohlund vor sich und ging ihm hinterher: Sie sind ein großer Schwarm von mir, strahlte sie. Mit dem leibhaftigen Kohlund auf Du und Du wird sie sicher hundert, meinte der Wirt.

Mittwoch, 17. Februar 2010

6. Drehtag - Kampf in der Nacht

Spätestens heute Nacht haben wir alle unsere eiskalten Glieder gespürt. Drei fette Tag- und ein dramatisches Nachtbild standen auf dem Programm. Zu guter Letzt ist uns noch der Steiger auf dem Eis abgerutscht. Und um elf Uhr abends - wenn hier in Wildhaus gewöhnlich nur noch die Schleiereulen unterwegs sind - gingen sich die beiden männlichen Protagonisten noch an die Gurgel. Wohl kalkuliert - vom Stuntman einstudiert. Sah gut aus. Und man hätte bisweilen sogar gerne mitgetan, um die eigenen Knochen aufzuwärmen.


5. Drehtag – Sonnige Kälte

Alles begann mit einem Beauty-Light wie es die Degeto mit teuren Scheinwerfern nicht besser hätte hinkriegen können. Und die Szene lief auch herrlich geschmeidig. So hätte es auch beim nächtlichen Streit weitergehen können, hätte uns nicht ein aggressiver Betrunkener dazwischengefunkt. So ein Streit ist schwer zu kalkulieren, hat uns aber viel Drehzeit gekostet. Zwar stand unsere Schauspieler-Polizistin freundlich daneben, die reale Polizei hätte jedoch ganze vierzig (40!) Minuten gebraucht, um vor Ort zu erscheinen. Welcome to the Toggenburg. Da ist die Welt noch in Ordnung... Schließlich wurde der Kollege in ein Feuerwehrauto geschoben, aber auch das war nicht ohne Kraftaufwand zu machen.

Sonntag, 14. Februar 2010

Erstes Wochenende

Und jetzt Wochenende. Erste Woche (allerdings nur vier Tage) geschafft. Jetzt gilt es vor allem für mich: Regiearbeit zu optimieren. Vorbereitung ausbauen. Erholung. Und natürlich alles bei schönem Drehwetter!

A propos Sport: Laurent, le maître du son, sagt: sowas ist gut für den Film!



4. Drehtag - Morgens Kinder-Skifahren, abends Weihnachten



Herrlich sakral so eine Kirche. Und Weihnachten wurde mit über 80 Statistinnen und Statisten, einem Weihnachtsbaum und dem Alt-St.Johanner Kirchenchor nachgestellt. Familie Hasler kam – wie üblich - zu spät. Und einige andere Zuhörer haben sich heftig aufgeregt. Bis sie gemerkt haben, dass die Haslers immer wieder zu spät kamen. Und so begriffen auch sie: die Haslers sind Teil der Zeremonie!

Das war ein voller Tag: nach dem Snowly-Fest am Idiotenhügel gab’s Verkehrschaos auf dem Dorfplatz; passend zum Freitag Abend-Trubel haben wir die Strasse gesperrt, ein Statistenauto platziert und unzählige weitere Statisten, die den Platz belebten. Das Ganze, um im Vordergrund zwei Männer fachsimpeln zu lassen über Häuserverkauf und Investitionen.
Die größte Sorge aber galt an diesem Tag den kleinen Zaungästen unseres Drehs: Kinder, die nicht mitkriegen durften, wer im Hasenkostüm steckte. Der Snowly redet nicht, kommt von einem anderen Planeten und ist nichts anderes als ein Hase, allerdings mit Schlangenschwanz, Pinguinfüssen und dergleichen mehr. All is part of the show. Wir sind umgeben von Inszenierungen und müssen gar nicht mehr viel dazutun.

3. Tag: Milchsuppe am Klöntalersee


Erste Erkenntnis: noch nicht an der Grenze des Materials angelangt! Mit dem neuen Woolrich Parka und der Merino Unterwäsche, dazu noch Thermosohlen – dürfte es noch um einiges kälter werden. Das sag ich jetzt aber nur als Bannspruch. Denn für die Schauspieler und Restcrew ist das natürlich kein Zuckerschlecken. Ich verrate nicht, was es mit der Braut und dem Eistaucher auf sich hat. Aber apropos Eistauchen: aus irgendeinem Grund ist dieser Klöntalersee ein Mekka für Eistaucher. Die gehen eine Viertelstunde unters Eis, üben ein bisschen die Orientierung und dass sie nicht an der Eisdecke kleben bleiben. Und das Ganze natürlich technisch hochgerüstet. Unsere Konkurrenzveranstaltung – die italienische Tauchergruppe – hatte dann allerdings Mühe mit dem Anlassen ihrer Privatautos.

Schwer zu verstehen ist, warum hier eisgetaucht wird: das Wasser dieses Stausees wird im Winter kontinuierlich abgelassen. Zur Zeit bis zu 50 cm pro Tag. Drum mussten wir ja so rasch drehen, damit zumindest noch ein Restwasser und Eis vorhanden ist.

Die Regie geriet einmal in Hektik, als sich im Wolkenschnee plötzlich ein Lichtstrahl zeigte: jetzt müssen wir die Schlusseinstellung drehen. Bitte rasch! – Rasch ist alledings beim Drehen ein dehnbarer Begriff. Das haben auch die Schulkinder am Idiotenhügel gemerkt, als sie zum x-ten Mal den Snowly begrüßen mussten. Aber das war ja schon am nächsten Drehtag.

10. Februar 2010 – Zweiter Tag


Okay, das mit dem Wetter – darauf sein Wohlbefinden zu stützen – sollte man sich bei einem Winterdreh auf 1000 Meter grundsätzlich verkneifen. Autofahrt mit Blick auf die in der goldigen Morgensonne glänzenden Churfirsten. Schönes Wetter verbindlich festgelegt im Drehbuch. Realverhältnisse: Schneetreiben und grau. Wir machen’s trotzdem. Wie um uns zu foppen, zeigt sich im Verlauf unserer Strassensperrungsaktion dann tatsächlich die Sonne. Matte weiße Scheibe im Nebelschleier. Und natürlich trotzdem Schneetreiben. Also wird dann auch im Film so: wir drehen. Ein Feuerwehrauto fährt voraus, der Straßenabschnitt ist gesperrt, anschließend ein Leitfahrzeug, unser Spielauto und daneben der Kamerabus. Andreas sitzt mit Wolldecke und Kamera auf der Schulter in der offenen Tür.



Nachmittags das Hotel Stefani im Februar 1974. Hauptsächlich an den Kleidern der jungen Ladies ersichtlich, die den siegreichen Charly auf der Damentoilette verführen. Kurz vor dem Orgasmus: der Regisseur. Als Animationspinocchio gerate ich voll in Fahrt. Keine Ahnung, wie das in den 70ern zu und her ging. Aber radikal sexy musste es irgendwie sein. Denn was die beiden weiblichen Fans mit unserem Skirennfahrer vorhaben, geht weit – vielleicht sogar weit über ihre Zeit hinaus.
Zuletzt noch einen kleinen Studiodreh. Eine Toilette wurde nachgebaut. Logischerweise sind sanitäre Einrichtungen aus den 70er Jahren ziemlich schwierig zu finden. Wenn an einer Stelle gerne renoviert wird, dann dort. Und wieder kann der Regisseur brillieren: der Höhepunkt wird in fünf Takes effektvoll vorgetäuscht.
Der Rest der Crew hat allerdings andere Sorgen: Schlussszene am Klöntalersee wird bereits am dritten Drehtag geschossen. Warum eigentlich? Fragen Sie die Ostschweizerischen Elektrizitätswerke. Man braucht vor allem bei der Planung eines Drehs verdammt viel Fantasie!

9. Februar 2010 – Erster Drehtag und Rückschau

Nun sind wir also kurz vor Dreh zum TV-Spielfilm "Charly's Comeback" - lang hat's gedauert, bis wir soweit waren. Jetzt geht alles plötzlich rasend schnell...



Schon auf der Reko hat uns die Wetterfront klare Ansagen gemacht: Schnee bis in die Niederungen. Heißt konkret: das Kälteloch am Klöntalersee hat sogar die Schneeflocken eingefroren. Die Seilbahn nach Gamplüt hat uns wiederum über das Nebelmeer gehoben. Und da traten wir in einer Nebellichtstimmung, von der sofort klar war: so was Bezauberndes kriegen wir natürlich an keinem Drehtag präsentiert.




Die sieben Kurfirsten am Horizont ließen sich zum Glück von unserer Erster-Tag-Nervosität nicht anstecken, sondern präsentierten sich perfekt im Hintergrund. Und natürlich wurden sie von uns auch gebührend abgefeiert.
Unsere drei Hauptdarsteller haben sich rund um Charlys Pick Up versammelt und die Kamera sich wie immer mitten ins Geschehen gestellt. Mein großes Thema wiederum: die Regieposition zu finden. Die Aufmerksamkeit richtig zu verteilen. Den magischen Moment aufzunehmen.


Und so sah's dann also aus am ersten Drehtag: auch nicht schlecht!


Alle guten Fotos sind von Andreas Höfer (alle anderen aus meinem iphone)